Nächste Woche: Gestrüpp

Hier schon mal der Text der Fleetstreet. Mehr dazu in allerkürzester Zeit hier.

Gestrüpp – Ein Raum von PascalFuhlbrügge
Dienstag 20 September – Samstag 24 September
(Installation / Performance)

In der Kindheit war die Natur noch ein Paradies. Ein Sehnsuchtsort, der gerecht und im Gleichgewicht vor der Zivilisation verteidigt und zurückerobert werden musste. Der kleine Maulwurf und seine Freunde, der Hase und der Igel kämpfen gegen die Baumaschinen, die den bösen Fuchs schon lange zuvor über alle Berge gejagt haben. Statt ihrer natürlichen Feinde treten sie den dumpfen Grollen lärmender Werkzeuge entgegen, um ihren Freunden im Wald ein Biotop des Wohlbefindens zu erhalten.

Drei Dekaden später ist nichts mehr so wie es war. Die Natur ist über den Point of no Return hinaus und seit Langem erhärtet sich der Verdacht, dass das Konstrukt der ursprünglichen Natur eh nur eins ist: nämlich ein Konstrukt.

Der Hamburger Performancekünstler und Musiker Pascal Fuhlbrügge verwandelt die Fleetstreet in ein Dickicht aus Pflanzen und Geäst, in einen neuen Lebensraum im Unterholz. Der Verfall des Grüns auf unnatürliche Weise reflektiert ein sonderbares Verhältnis von Mensch zu Natur.

Unter der Woche ist die Fleetstreet als Biotop zu besichtigen. Das Ende der Pflanzenwelt gibt dann den Auftakt zu seiner Performance Gestrüpp.

Mit Enthusiasm hat Pascal Fuhlbrügge 2010 ein erfolgreiches Performancedebut hingelegt. Gestrüpp ist eine raumfüllende Installation und Performance, die die ambivalente Schönheit der Natur in widrigen wie natürlichen Umständen offenbart.

Zur Premiere wird Lorin Sylvester Strohm den Gesang der Vögel übertönen und im Anschluss für Musik von der Platte sorgen.

Dienstag 20 September – Samstag 24 September
Installation

Mittwoch 21. September | Charlotte Pfeifer liest Der Waldbruder von JMR Lenz

Fretag 23 September | 2000Uhr
Performance / Lorin Sylvester Strohm

Samstag 24 September | 2000Uhr
Performance

Zur Lesung von Charlotte Pfeifer am Mittwoch:
Lenz` “Waldbruder”, gelesen von Charlotte Pfeifer
“Ich schreibe Dir dieses aus meiner völlig eingerichteten Hütte, zwar nur mit Moos und Baumblättern bedeckt, aber doch für Wind und Regen gesichert. Ich hätte mir nie vorgestellt, daß dies Klima auch im Winter so mild sein könne. …”
So beginnt der Briefroman “Der Waldbruder, ein Pendant zu Werthers Leiden” von Jakob Michael Reinhold Lenz, der 1776 entstand- mitten im Sturm und Drang. Die Abkehr des Protagonisten von der bürgerlichen Städterwelt hin zu der harten, aber niemals feindseligen Natur stellt einen Versuch der Selbstheilung von einer unglücklichen Liebe dar, und einen Selbstversuch: Bedeutet Einsamkeit Freiheit?
“… Niemanden im Wege – welch eine erhabene Idee! …”
Die Vorstellung von Natur ist mindestens so wichtig wie das tatsächliche Hausen in der Waldhütte. Sowohl die Hauptfigur Herz als auch der Author, Jakob Michael Reinhold Lenz (ein Kind der Aufklärung, der bei Immanuel Kant Seminare besucht hatte und Rousseau gelesen und verdaut) suchen ihr Heil außerhalb der Gesellschaft, können sich aber nur durch Formulierung und Mitteilung spüren. Ein Dilemma, das sich nicht lösen läßt.

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